Der alte Turm

Historischer Rückblick

Die ältesten Pfarreien im Ostertal befanden sich in Fürth und Niederkirchen. Wann sie entstanden sind, ist schwer zu sagen. Wenn die "Gesta Treviorum" berichten, dass Bischof Magnerich von Trier (576-596) zahlreiche Kirchen erbauen ließ, so deutet das eine Zeit verstärkter Christianisierung des flachen Landes an, in der vielleicht auch die erste Kirche und damit die erste Pfarrei in Fürth entstanden ist.

Alter Turm
Spätgotischer Satteldachturm einer mittelalterlichen, zuletzt evangelischen Kirche. Der Turm könnte im Sockelbereich der romanischen Zeit angehören. Die Kirche wurde ver- mutlich Mitte des 15. Jahrhunderts erbaut; sie war Ende des 18. Jahrhunderts verfallen. Der Turm der Kirche ist erhalten geblieben. Er ist in verputztem Bruchsteinmauerwerk mit Eckquadern ausgeführt und misst im Lichten 3,10 Meter zu 3,20 Meter. Im Obergeschoss sind noch die alten ge- kuppelten, rundbogigen Fenster mit abgefastem kleinem Pfeiler. Auf der Ostseite ist eine kleine Tür, die ehemals zum Kirchenschiff führte.
Der alte Turm ist wichtiger Zeitzeuge für die Entwicklung der Konfessionen in Fürth
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Restaurierung durch Heimat- und Kulturverein Fürth 1989-1994 mit Unterstützung der Fürther Bevölkerung und der öffentlichen Hand.
Turm wird heute für Ausstellungen und Vernissagen, verbunden mit kleinen Festveranstaltungen rund um den Turm, genutzt
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Aber die Grundsteinlegung dieser Pfarreien kann auch später liegen.
Im Jahre 870 traf der Bischof Adventius von Metz auf einer Visitationsreise in der Bliesgegend trostlose Zustände an. Und wenn er von schlimmen Verbrechen und unerhörten Lastern spricht, die er hier vorgefunden hat, so muss das natürlich im kirchlichen Sinne verstanden werden. Schuld an solchen Zuständen war das Fehlen der seelsorgerischen und missionarischen Tätigkeit unter der Bevölkerung.

Zunächst gründete der Bischof damals in Neumünster bei Ottweiler ein Kloster, und wahrscheinlich sind im Zusammenhang damit oder als Erfolg der Missionarsarbeit des Klosters auch weitere Kirchen entstanden, zu denen ebenfalls Fürth gehört haben könnte.

Aber wie dem auch sei. Jedenfalls war Fürth um 1360 eine Pfarrei, die zu einer päpstlichen Steuer 4 Groß (=Groschen) zahlte (Jungk, Regesten Nr.1672). Dörrenbach war keine Pfarrei, sondern gehörte mit Werschweiler zur Pfarrei St. Wendel. Sonst bestanden in der Umgebung noch die Pfarreien Wiebelskirchen, Neumünster, Schiffweiler, Bexbach, Niederkirchen, Niederlinxweiler und Spiesen. Lautenbach gehörte zur Pfarrei Fürth, ebenso der Wetschhauser Hof, der aber vielleicht erst später entstanden ist und dann überhaupt ohne eigenen Bann zu Fürth gehörte. Kirchlich gesehen lag damals die Pfarrei in einem Dreiländereck, da die Pfarrei Fürth zum Bistum Metz, die Pfarrei St. Wendel (seit 1461) zum Bistum Trier und die Pfarrei Niederkirchen zum Bistum Mainz gehörte. Die Kirche in Fürth war der heiligen Katharina geweiht (Tag 13.02.) Patronsherren waren im späten Mittelalter die Mauchheimer von Zweibrücken, d.h. diese hatten das Recht, die Pfarrstelle zu besetzen.

Erst etwa 80 bis 100 Jahre später wurde auch in Dörrenbach eine Pfarrei eingerichtet und eine Kirche gebaut oder vielleicht besser gesagt, eine Kapelle zur Kirche ausgebaut, von der der Turm noch erhalten ist.


Um die gleiche Zeit ist auch in Fürth eine neue Pfarrkirche erbaut worden, von der ebenfalls noch der Turm erhalten ist. Die verblüffende Ähnlichkeit der beiden Kirchtürme von Fürth und Dörrenbach, die wahrscheinlich sogar von dem gleichen Baumeister mit den gleichen Steinmetzen erbaut wurden, ist also leicht zu verstehen. In beiden Dörfern lagen die Friedhöfe um die Kirche.

Die Einrichtung einer Pfarrei in Dörrenbach hatte zunächst keinen Einfluss auf die Verhältnisse in Fürth, konnte keinen Einfluss haben, weil es sich ja um verschiedene Diözesen handelte. Auch in der Türkenschatzung von 1542 werden beide Pfarreien nebeneinander genannt. In diesem Jahre war ein Herr Johann Brambach Pfarrer in Fürth. Die beiden Dörfer waren um diese Zeit gerade erst zur Grafschaft Saarbrücken gekommen, nachdem bis dahin ihre Zugehörigkeit umstritten gewesen war

Sie sehen ein Gemälde der Dörrenbacher Künstlerin Margarete Scheer: " Versuch einer Darstellung, wie die Dörrenbacher und Fürther Kirche zu Beginn ausgesehen haben könnte." 

In der Grafschaft Saarbrücken wurde 1575, und zwar schlagartig zum 1.Januar, die Reformation eingeführt. Bei der Kirchenvisitation, die zur Reformation in den Pfarreien vorgenommen wurde, war die Pfarrei Fürth unbesetzt. Die Pfarrgeschäfte versah der Dörrenbacher Pfarrer Johann Mohero mit, der also auch die Pfarreinkünfte von Fürth bezog. Er erkannte, wie es im Visitationsprotokoll hieß, seine Irrtümer an und bat ehrerbietig, ihn nicht seines Amtes zur entsetzen, ja, er versprach, der wahren Lehre sich zu befleißigen. Daher wurde er in seinem Amte belassen.

Wir wissen nicht, ob und wann die Pfarrstelle in Fürth wieder besetzt wurde.  Jedenfalls bestanden die beiden Pfarreien nebeneinander weiter. Zwischen 1600 und 1610 werden "aus der Kirche zu Fürth", eine ganze Reihe von Darlehen gegeben, ein Zeichen, wie wohlhabend die Pfarrei Fürth damals war. Tatsächlich waren in der Kirchenrechnung von 1611 die Pfarreinkünfte von Fürth wesentlich besser als die von Dörrenbach. Aber bereits 1634 gab es in Fürth kein Pfarrhaus mehr. Es war offenbar als baufällig kurz vorher abgerissen worden, ohne dass man aus unerfindlichen Gründen bei der noch bestanden Wohlhabenheit vorher an einen Neubau gedacht hatte. Die Pfarrstelle war unbesetzt. Man hat den Eindruck, als habe man von vorne herein bei der Regierung und der Kirchenleitung darauf hingearbeitet, die Pfarrei Fürth langsam eingehen zu lassen, um den Neubau eines Pfarrhauses in Fürth zu ersparen und die schlecht dotierte Pfarrstelle in Dörrenbach mit den Einkünften in Fürth aufzubessern. 1637 berichtet der nassau-saarbrückische Registrator Andreae in seiner "Genealogia Saraepontana: "Fürth hat eine Kirche, so hiebevor eine besondere Pfarrei gewesen, ist aber nun zur Pfarr Derrenbach gezogen worden."

Sie sehen eine Grafik des alten Kirchturms, gezeichnet von Werner Krahl aus  Fürth.

In diesem Zusammenhang ist es notwendig zu wissen, dass dazumal ein Laurentius Stephani in Dörrenbach Pfarrer war. Er war ein Sohn des Superintendenten Johann Magnus Stephani in Ottweiler und ein Enkel des Reformators der Grafschaft Saarbrücken, Laurentius Stephani. Wegen der lückenlosen Besetzung aller Pfarrstellen im Lande hatte er keine Aussicht, eine besserbezahlte Stelle zu erhalten, und so hat man wohl, um seine Einkünfte zu vergrößern, die Pfarrei Fürth eingehen lassen und damit seinen Pfarrsprengel vergrößert. Jedenfalls ist diese Hilfestellung für einen jungen Pfarrer wirksam geblieben bis auf den heutigen Tag, denn seit dieser Zeit gehört Fürth zur Pfarrei Dörrenbach.
Die Kirche in Fürth wurde im 30-jährigen Krieg zum Teil zerstört. Obwohl mit einem Notdach versehen, behielt sie ihre Funktion. Trotz des schlechten Zustandes fand um das Jahr 1700 alle 4 Wochen durch den damaligen Pfarrer Langerhans ein Gottesdienst in Fürth statt. Die Kirche in Fürth erhielt unter diesem Pfarrer nochmals eine Glocke. Die Glockeninschrift aus dem Jahre 1701 war wie folgt: " Vor die gemeind Virt goß mich heinrich Oswald Speck, anno 1701."
Im Jahre 1751 war die Kirche in Fürth, die jetzt Kapelle genannt wurde, baufällig und wurde zum letzten Male ausgebessert. Danach gab es vielfach Planungen zum Neubau einer Kirche. So wurde eine Planung durch den Werkmeister Dodel aus Saarbrücken vorgelegt. Danach beschäftigte sich Kammerrat Baltasar Wilhelm Stengel, ein Sohn des Saarbrücker Baumeisters Friedrich Joachim Stengel mit einer Neuplanung. Aber keine der Planungen kam zur Durchführung. Die Bausubstanz der Kirche wurde immer schlechter. Aus den Unterlagen kann entnommen werden, dass die Kirche Anfang des 19. Jahrhunderts abgerissen wurde. Teile des Schieferdaches wurden von dem Advocaten Weyl beim Bau seines Hauses in Ottweiler verwandt. Der zur Kirche gehörende Turm blieb erhalten.

Die Kirche hatte ein steinernes Gewölbe und war im Lichten 32 Schuh lang (ca. 9m) und 21,5 Schuh breit (ca. 7m). Zimmermann ordnet den Turm bauhistorisch wie folgt ein: " Der Turm könnte höchstens im Sockel noch der romanischen Zeit angehören. Im Übrigen ist er ein Neubau der Spätgotik, der ein bemerkenswertes Beispiel für das lange Nachleben romanischen Formgefühls in der hiesigen Landschaft bildet. Der Turm ist in verputztem Bruchsteinmauerwerk mit Eckquadern ausgeführt und misst im Lichten 3,10 Meter zu 3,20 Meter. Im Obergeschoss sind zum Teil noch die alten gekuppelten rundbogigen Fenster mit abgefastem kleinem Pfeiler. Auf der Ostseite ist eine kleine Tür, die ehemals zum Schiff führte." Der Turm, ursprünglich am Kirchenschiff fest angebaut, war nur durch die Kirche zugänglich und enthielt die Treppe zur Empore. Im Umfeld des Turmes befand sich der Friedhof. Der Friedhof am "Alten Turm" wurde in den Jahren 1827 bis 1829 eingeebnet. Auf dem Kirchengrundstück wurde im 19. Jahrhundert eine Schule gebaut, die nach dem Umbau als Wohnhaus heute in Privatbesitz ist. Seit dem Abriss der Kirche änderte sich an dem Turm nicht mehr viel. Danach haben die nicht mehr vorhandene Kirche und der bestehende Turm eine große Bedeutung für die Entwicklung der Konfessionen in Fürth.

Seit dem Abriss der Kirche in Fürth bemühten sich die evangelischen Christen ohne Unterlass, in Fürth nochmal eine Kirche zu bauen. Die Pfarrei Fürth hatte ihre Selbstständigkeit verloren und gehörte bis zum Jahre 1816 zur Pfarrei Dörrenbach. Nach zwischenzeitlicher Zugehörigkeit zur Pfarrei Ottweiler wurde Fürth im Jahre 1836 erneut in die Pfarrei Dörrenbach eingegliedert. In den Folgejahren gab es wegen der Fürther Bemühungen zum Bau einer eigenen Kirche immer wieder Streitigkeiten mit der Pfarrei Dörrenbach. Die erreichten ihren Höhepunkt, als die Fürther zu verschiedenen geplanten Baumaßnahmen im Zusammenhang mit der Kirche in Dörrenbach verstärkt finanzielle Beiträge leisten sollten. Als die im Turm befindliche Glocke im Winter des Jahres 1859/1860 durch Zerspringen unbrauchbar wurde und das Presbyterium einem Umguss zu einer neuen Glocke nicht zustimmte, andererseits in Dörrenbach eine zweite Glocke angeschafft werden sollte, erreichten die Streitigkeiten ihren Höhepunkt. Als dann der Antrag von einigen Gemeindemitgliedern, Fürth zur eigenen Pfarrei zusammen mit Lautenbach, Münchwies und Eichelmühle zu erheben vom Konsistorium in Koblenz abgelehnt wurde und der Kompromissvorschlag des Landrats die opponierenden Dörfer der Pfarrei Ottweiler zuzuordnen abschlägig beschieden wurde, erklärten viele evangelische Christen ihren Austritt und schlossen sich den Altlutheranern an. Dies war im Jahre 1866 der Beginn der Lutherischen Kirchengemeinde, der heutigen lutherischen St.Markus-Gemeinde.
Der Turm erhielt im Jahre 1920 nochmal eine Glocke mit folgender Inschrift: "Hiob 5, Vers 18: Er zerschlägt und seine Hand heilet." Die Glocke wurde gegossen von der FA. Mabilon in Saarburg und trägt die Nr. 2956.
Bis zum Neubau der evangelischen Kirche in Fürth diente sie zum Verkünden von traurigen und freudigen Ereignissen. Im Laufe der Restaurierung seit 1988 kehrte auch die Glocke, die zwischenzeitlich wegen ungenügender Sicherheit nicht mehr im Turm, sondern in der evangelischen Kirche in Fürth aufbewahrt wurde an ihren alten Platz zurück. Gerne hören wir heute die Erzählungen von Frau Frieda Müller geb. Scheidhauer und Herrn Heinrich Schirra. Es wurde nicht nur geläutet, wenn in Fürth etwas passierte. Auch zu Anlässen, die weltpolitisch von Bedeutung waren, erhob die Glocke ihre Stimme So bekam Herr Heinrich Schirra eine Tracht Prügel von seinem Lehrer Herrn Schönborn, weil er im Übereifer aber ohne entsprechenden Auftrag anlässlich des Todes von Reichspräsident Hindenburg die Glocke läutete.

Die Geschichte zum "Alten Turm" in Fürth repräsentiert in hohem Maße die historische Entwicklung des Ortes Fürth. Der "Alte Turm", im Volksmund "Römerturm" genannt, hat allen Widrigkeiten getrotzt und steht nun seit 600 Jahren in fast unveränderter Form an dem gleichen Platz. Er ist, wie oben dargestellt, zum Zeitzeugen insbesondere für trennende Entwicklung in den Konfessionen geworden. Die gemeinsamen Bemühungen von Frauen und Männern aus allen Konfessionen, vereint im Heimat- und Kulturverein Fürth, hatten auch zum Ziel, den "Alten Turm" in Fürth zum Wahrzeichen der Gemeinsamkeit und des Miteinander zu machen. Falls dies durch seine Sanierung gelungen ist, können alle auf das Erreichte stolz sein.

Zusammengestellt von Willi Wern aus dem Heimatbuch Fürth und der Festschrift zur Errichtung der neuen Pfarrvikarie St.Michael Fürth-Lautenbach. Zitat Zimmermann aus "Die Kunstdenkmäler der Kreise Ottweiler-Saarlouis" von Walter Zimmermann, Düsseldorf 1934


Rückführung zur alten Bestimmung

Schwerwiegende statische Aspekte machten den Kirchturm der 1970 erbauten ev. Kirche in der Lautenbacher Straße baufällig. Für den Erhalt des Bauwerks fehlten die finanziellen Mittel. Der Turm wurde am 04.02.2014 gesprengt. Die Sprengung stellte eine sichere und wirtschaftliche Methode für den Rückbau dar. Der Turm stand in ausreichendem Abstand zur Kirche und zur Wohnbebauung.
Zum Glück ist die Kirchengemeinde im Besitz des alten Kirchturmes. Dieser sollte 1987 schon beseitigt werden.

Der eigens zur Erhaltung des alten Turmes gegründeten Interessengemein- schaft  "Erhaltung alter Turm“, dem heutigen Heimat- und Kulturverein, sowie dem Einsatz von vielen Helfern und Spendern wurde der Turm 1989 saniert. Somit blieb er als ein wichtiges Wahrzeichen des Ortes erhalten.
Diesem Umstand ist es zuverdanken, dass man im Alten Turm nun die verbleibenden Glocken unterbringen kann.


ev. Kirchturm am 29.01.2014 

Neuer Glockenstuhl eingebaut  Die ev. Kirche wird wieder den Alten Turm als Glockenturm der Kirche nutzen. Es wurden entsprechende bauliche Maßnahmen am Glockenstuhl durch die Kirche ausgeführt.
Einbau einer zusätzlichen Treppe zum Glockenstuhl  Im Zuge der Umgestaltung des Glockenstuhles hat der Heimat- und Kulturverein nach Absprache mit dem Konservator-Amt eine zusätzliche Treppe bis zum Glockenstuhl auf Kosten des Vereins einbauen lassen.

Der Glockenstuhl kann nun bei Führungen besichtigt werden.

Einweihung des Glockengeläutetes
am 17.08.2014

Zusammen mit der ev. Kirchengemeinde wurde das neue Geläut am Turmfest mit einem Gottesdienst am Turm eingeweiht. Dabei fand an diesem Tage nach über 200 Jahren am Fuße des Alten Turmes eine Taufe statt.

Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer besucht am 09.03.2017 den Alten Turm


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